Vom Steinzeugproduzenten zur Lifestyle-Marke

Villeroy & Boch

Wer einen Sinn für gutes Essen hat, weiß einen stimmungsvoll gedeckten Tisch zu schätzen. Ob ländliches Frühstück oder unkonventionelle Kaffeetafel, ob leichter Salat oder opulentes Festtagsmenü – Tassen, Teller, Schüsseln und Gläser würdigen die zubereiteten Speisen und setzen sie erst richtig in Szene. Villeroy & Boch, der traditionsreiche Porzellanhersteller aus dem Saarland, zelebriert die Schönheit der Tischkultur mit zeitlosen und auch trendbewussten Designs, denn das Auge isst ja bekanntlich mit.

Die älteste und weltweit berühmte Geschirrkollektion aus dem Hause Villeroy & Boch ist »Alt Luxemburg«. Sie wird noch heute verkauft, und das Großherzogtum hat sämtliche Auslandsvertretungen damit ausgestattet. Ein kleiner blauer Blütenzweig, das »Brindille«-Dekor, ziert das Porzellan. 1770 entwickelt, stammt es aus der Anfangszeit des Unternehmens.

Geschirr statt Kanonen

Dessen Anfänge liegen allerdings im lothringischen Dorf Audun-le-Tiche. Hier gab François Boch 1748 seinen Beruf als königlicher Kanonengießer auf, um gemeinsam mit seinen drei Söhnen und einem Schwiegersohn Alltagsgeschirr herzustellen. Sie hatten die Bedürfnisse des wohlhabenden Bürgertums erkannt und nutzten die kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit in der Region, um Töpfe, Schüsseln und Kannen aus Steingut herzustellen, dem »Porzellan des Bürgertums«.

Alt Luxemburg, Villeroy & Boch
Alt Luxemburg, Villeroy & Boch

Der Weg zur industriellen Produktion

Der Hauptabsatzmarkt für diese Produkte war Luxemburg, wo auch die Herstellungsbedingungen günstig waren. So kam es, dass die Produktion schon 1766 ins luxemburgische Septfontaines verlegt und der Übergang vom Handwerks- zum frühindustriellen Betrieb vollzogen wurde. Endgültig industriell produziert wurde dann ab 1809, als Jean-François Boch und seine Frau eine eigene Geschirrfabrikation im saarländischen Mettlach gründeten. Unter ihnen hielt der technische Fortschritt Einzug, denn sie statteten die ehemalige Benediktinerabtei, die heute Konzernzentrale ist, mit modernsten Öfen und Fertigungsmaschinen aus.

Villeroy trifft Boch

Auch in anderer Hinsicht wirkte Jean-François Boch entscheidend für das Unternehmen. Anstatt Wirtschaftskriege zu führen, bevorzugte er nämlich Fusionen mit und Beteiligungen an konkurrierenden Betrieben. So kam es nach langjähriger Kooperation 1836 zur Fusion mit der innovativen Wallerfanger Keramikfabrik Villeroy. Die Liebe verfestigte schließlich das geschäftliche Band: 1842 heirateten Eugen Boch und Octavie Villeroy.

Sortimentserweiterungen

Die Verbindung der beiden Unternehmen sollte sich als sehr fruchtbar erweisen. So hatte man 1843 die Herstellung von Kristallglas in die Produktpalette aufgenommen und die »Mettlacher Platten« waren 1852 der Einstieg in die Fliesen- und Kachelproduktion. Einen entscheidenden Einfluss auf die Unternehmensentwicklung hatten darüber hinaus wissenschaftliche Erkenntnisse, die an der Wende zum 20. Jahrhundert in moderne Hygienevorstellungen mündeten. Villeroy & Boch stieg in die Großproduktion von Wannen und Toiletten ein und entwickelte neue, qualitativ hochwertige und kostengünstige Herstellungsverfahren, die eine weite Verbreitung von Sanitärkeramik ermöglichen. Bis heute ist das Unternehmen in die drei Sparten Sanitär, Fliesen und Geschirr/Kristall gegliedert.

Petite Fleur, Villeroy & Boch
Petite Fleur, Villeroy & Boch

Berühmte Dekors und Designer

Neben technischer Innovation und hochwertiger Qualität hat sich das Unternehmen auch im Hinblick auf die formale Gestaltung seiner Produkte einen Namen gemacht. Im Bereich Tischkultur wurde unter anderem der zarte Blütenreichtum der Serie »Petite Fleur« sehr beliebt, und der robuste Cottage-Style der Serie »Wildrose« hat in viele Haushalte Einzug gehalten. Helen von Boch entwarf 1972 mit »La Boule« ein Stapelgeschirr, das sich zu einer ungewöhnlichen Kugelform zusammensetzen ließ. Die Zusammenarbeit mit namhaften Designern hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Tradition. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte man mit Architekten und Gestaltern wie Henry van de Velde, Joseph Olbrich oder Peter Behrens kooperiert, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte die Zusammenarbeit mit international renommierten Designern wie Luigi Colani, Terence Conran, Frog Design, Keith Hearing, Wolfgang Joop, Kenzo, Paloma Picasso oder Matteo Thun zu außergewöhnlichen und erfolgreichen Gestaltungen.

Lifestyles

Heute wird das gesamte Villeroy-&-Boch-Angebot nach vier Lifestyles unterschieden: »Classic« (klassisch/elegant), »Metropolitan« (modern/puristisch), »Country« (moderner Landhausstil) und »Easy« (jung/unkonventionell). Es bietet stilistische Orientierung in Anlehnung an die aktuellen Strömungen der Innenarchitektur und des Designs. Dass dabei wieder einmal neue Trends gesetzt werden, zeigen moderne Serien wie »New Wave«. Die üblichen runden und eckigen Formen des Geschirrs werden hier von Wogen und Wellen abgelöst bzw. durchbrochen und führen zu neuen Nutzungsideen und -möglichkeiten – Tischkultur at its best.

 

Weitere Marken im Portait:  Koinor – Entspannungsliegen und Relaxmöbel

Artikel teilen

Bei Facebook teilen Bei Twitter teilen Bei Pinterest teilen
Das Magazin von Zurbrüggen
letzter artikel
Der schöne Schein
nächster artikel
Bad-Inspiration