Die Welt zu unseren Füßen

Teppiche – Atmosphäre pur

Wer kennt es nicht? Man zieht in eine neue Wohnung, kauft ein Haus oder möchte einfach mal wieder die eigenen vier Wände freundlicher, moderner und farbiger gestalten. Kurzum: Ein oder mehrere neue Teppiche müssen her! Schließlich verleihen sie dem Raum die gewünschte Atmosphäre, ein besonderes Ambiente und vermitteln Stil und Gemütlichkeit. Aber wie findet man bei den vielen verschiedenen Sorten und Designs den richtigen? Und schließlich ist Teppich nicht gleich Teppich – Material, Qualität, Struktur und Beschaffenheit spielen eine wichtige Rolle.

Auf die Höhe kommt es an

Die Oberfläche eines Teppichs besteht aus Garnfäden und wird Flor oder Pol genannt. Je höher der Flor umso flauschiger, allerdings auch empfindlicher der Teppich. Im allgemeinen unterscheidet man zwischen Kurz-, Hoch- und Langflor. Ein Kurzflor-Teppich, auch Flachgewebe, hat eine maximale Höhe von 1,5 Zentimetern. Er gilt in der Regel als robust, strapazierfähig und unempfindlich. Zu den Hochflor-Teppichen zählen Exemplare, die zwischen 1,5 und 5 Zentimetern hoch sind. Alles, was darüber reicht, bezeichnet der Experte als Langflor.

Kunst oder Natur – Frage des Geschmacks und des Portemonnaies
Teppiche können sowohl aus natürlichen Fasern wie Wolle, Haar und Seide (tierische Produkte) sowie Baumwolle, Seegras, Jute, und Sisal (pflanzliche Produkte) als auch aus synthetischen Materialien wie Polypropylen und Polyester bestehen.

Mehr als 80 Prozent der heute weltweit gehandelten Ware besteht aus synthetischem Material. Teppiche aus Kunstfasern sind kaum „kaputt zu kriegen“. Sie sind strapazierfähig, pflegeleicht und langlebig. Außerdem besitzen sie eine hohe Trittschall- und Wärmedämmung. Dank moderner Veredelungstechniken ist es darüber hinaus möglich, eine Woll- oder Seidenoptik zu erzeugen.

Bei den Naturfasern punktet vor allem die Wolle. Teppiche aus diesem Material sind seit jeher ein beliebter Belag für Wohnräume. Sie sind recht strapazierfähig, schalldämmend, wärmeisolierend und feuchtigkeitsregulierend. Allerdings sollte beachtet werden, dass das Naturprodukt sich nicht für Räume wie Badezimmer eignet. Die konstante Feuchtigkeit zersetzt auf Dauer das Material. Daneben erfreuen sich insbesondere Sisal und Baumwolle einer großen Gunst. Sie sind in der Herstellung deutlich umweltschonender und daher interessant für Kunden, die Wert auf Nachhaltigkeit legen.

Teppiche aus Naturfasern sind meistens teurer als ihre Pendants aus Kunststoff mit gleicher Qualität.

 

Herstellungsverfahren

Knüpfen

Das Knüpfen gilt als eine der ältesten und edelsten, aber auch aufwendigsten Methoden einen Teppich herzustellen. Hierbei wird das Florgarn per Hand in die Kettfäden geknotet. Auf jede Knotenreihe folgen ein oder zwei Reihen Schussfäden.

In der Regel wird zwischen zwei Knotenarten unterschieden: der symmetrische (auch türkische oder Ghiordesknoten) und asymmetrische (auch persische oder Sennehknoten). Je enger die Knoten beieinander liegen und je feiner das verwendete Material (Wolle, Seide), umso wertvoller ist der Teppich. Je nach Dichte, Größe, Muster und Farbe kann die Herstellung sogar mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Heutzutage werden nicht nur die klassischen Orient- oder Perserteppiche geknüpft, sondern auch ganz moderne und trendige Versionen, darunter auch Patchwork- oder Vintage-Teppiche. Der weltweit größte Produzent ist Indien.

Weben

Beim Weben kreuzen sich zwei Fadensysteme im rechten Winkel, die längslaufende „Kette“ und der quer laufende „Schuss“. Bei der Herstellung von Teppichen wird darüber hinaus als dritte Dimension noch der Polfaden senkrecht eingearbeitet. Aufgrund dieser besonderen Herstellungstechnik verbinden sich Flor und Trägergewebe besonders gut. Außerdem bietet das Verfahren vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bei Farbe und Design. Die Struktur dieser Teppiche ist sehr kompakt, die Oberfläche robust und besonders strapazierfähig. Das Weben gehört neben dem Knüpfen zu den traditionellen Fertigungsverfahren von Teppichen und wird heute hauptsächlich von hochmodernen komplexen Maschinen durchgeführt. Mittlerweile erfreuen sich aber auch wieder handgewebte Stücke einer steigenden Beliebtheit.

Tufting

Teppiche sind meistens handgetuftet (englisch „to tuft“ = mit Büscheln verzieren). Hierbei wird das Garn, anders als beim Knüpfen oder Weben, mit einer Art Pistole von hinten in das vorgezeichnete Gewebe eingefügt. Diese Art der Herstellung lässt viele Variationen sowohl bei der Gestaltung als auch bei den Materialien zu. Sie wurde in den USA entwickelt. Das Verfahren kommt vor allem aber bei der industriellen Produktion von textilen Bodenbelegen zum Einsatz.

 

 

Was gilt es noch zu beachten

Orientierung und Auskunft über Qualität, Komfort und Strapazierfähigkeit von Teppichen gibt das Teppich-Siegel (rotes „T“) der Europäischen Teppich-Gemeinschaft (ETG). Allergiker oder Eltern, die Teppiche für ihre Kinder kaufen möchten, sollten zuvor zudem auf Gütezeichen wie das GuT-Schadstoffsiegel oder das TÜV-Umweltsiegel achten.

Es war einmal …

Die Ursprünge des Teppichknüpfens liegen in den Steppen Zentralasiens und reichen bereits einige Jahrtausende zurück. Die Teppiche bestanden größtenteils aus Schafs- und Ziegenwolle und dienten den Nomadenvölkern im Alltag als Wandbehang, Türvorhang, Decke und als Wärmedämmung.

Aufgrund der Vergänglichkeit der Materialien gibt es nur wenige historische Zeugnisse dieser Kunst. Der bislang älteste bekannte, sogenannte Pazyryk-Teppich wurde im sibirischen Altaigebirge ausgegraben und stammt höchstwahrscheinlich aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert.

Mit den Feldzügen Alexanders des Großen um 330 v.Chr. gelangten die ersten Orientteppiche ins Abendland. Im 8./9. Jahrhundert entwickelte sich dann unter dem Einfluss der Mauren im spanischen Córdoba eine eigenständige Teppichindustrie.

Durch die Einführung von Hofmanufakturen in Persien und Indien im 16. Jahrhundert avancierte das Knüpfen schließlich vom Gebrauchshandwerk zum Kunsthandwerk.

Die kunstvollen Perserteppiche und Wandbehänge gelangten über verschiedene Handelsrouten nach Europa und galten gerade in Adelshäusern zunehmend als Schmuckstücke und Zeichen für Wohlstand. Erst im 20. Jahrhundert zogen Teppiche in die normalen Wohnstuben ein.

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