Interview mit unserem Teppichexperten

Felle sind der kommende Trend

Das Teppich nicht gleich Teppich ist, ist nahezu jedem klar, doch wo genau die Unterschiede liegen und welche verschiedene Herstellungsmethoden es gibt, ist vielen unbekannt. Daher berichtet Teppich-Experte Andreas Weidler über schöne Web-Teppiche, beliebte Handarbeitsstücke und ein typisch deutsches Phänomen.

Mit geübtem Griff zieht Andreas Weidler den Mikrofaser-Teppich aus der Auslage und streicht über den Flor. „Der besteht aus Millionen kleiner, feiner Härchen und ist angenehm weich. Kein Wunder, dass das Material momentan besonders angesagt ist“, erklärt der Bereichsleiter und Produktmanager Teppiche bei Zurbrüggen. Solche Teppiche eignen sich hervorragend für Wohn- oder Schlafzimmer. Sie verleihen dem Interieur einen Charakter von Luxus und Komfort. „Ich rate allerdings davon ab, ihn in den Eingangsbereich zu legen. Bei hoher Beanspruchung sieht er schnell wie ein ‚nasser Aufnehmer’ aus“, so der Experte. Seit 6 Jahren arbeitet Weidler für das Unnaer Einrichtungshaus.

Die Teppichabteilung in ihrer heutigen Form ist „sein Kind“. Eingeteilt in unterschiedliche Themenbereiche, können sich Kunden schnell orientieren, nach gewünschten Sorten Ausschau halten und das Wunschexemplar finden. Gleich zu Beginn wartet das moderne, trendige Sortiment – bunt wie Aquarelle, auch mit geometrischen und ausgefallenen Mustern oder unifarben, mal mit, mal ohne Bordüre. „Die sind übrigens nur auf dem deutschen Markt ein Renner. In Großbritannien, Frankreich oder den USA finden sie keinen einzigen Teppich mit Bordüre“, verrät Weidler ein nationales Phänomen.

 

Nahezu 80 Prozent der weltweit produzierten Teppiche werden aus synthetischen Fasern hergestellt. Andreas Weidler

 

Hochflor-Teppiche und Shaggy-Welle 

Es sind vor allem die hochflorigen Teppiche mit einer Garnfädenlänge von bis zu zwei Zentimetern, die in diesem Bereich ins Auge fallen. „Wir befinden uns zurzeit noch in dieser ‚Shaggy-Welle’, allerdings ebbt sie nun leicht ab“, sagt Weidler lachend. Gleich daneben liegen wiederum kurzflorige, robustere Exemplare, die vor allem strapazierfähig und pflegeleicht sind. „Wenn hier mal Saft verschüttet wird, reicht es meistens, den Fleck mit einem Tuch abzutupfen, und schon ist das Problem behoben. Solche Teppiche bestehen größtenteils aus Polypropylen. „Nahezu 80 Prozent der weltweit produzierten Teppiche werden aus synthetischen Fasern hergestellt.

Heutzutage kann man das Material bereits derart veredeln, dass eine Woll- oder Seidenoptik erzeugt wird.“ Ebenso werden die meisten Teppiche maschinell erzeugt. „Hauptlieferant ist heute die Türkei. Hier stehen Anlagen mit über 100 industriellen Webstühlen und ein Vielfaches an Garnspulen, die am Tag mehr als 100.000 Quadratmeter produzieren“, erläutert Weidler. „Das ermöglicht es uns, dem Kunden seinen Teppich in der gewünschten Größe innerhalb von drei Wochen zu liefern.“

 

Handwebteppich
Handwebteppich

 

Handgewebte Teppiche sehr gefragt

Länger dauert es natürlich bei den handgewebten Stücken. „Sie sind momentan wieder äußerst gefragt. Wir stellen tatsächlich fest, dass die Verbraucher mehr und mehr Wert auf handgemachte, natürliche und nachhaltige Materialien legen“, betont Weidler. Der Thematik widmet Zurbrüggen einen ausgiebigeren Bereich mit vielseitigem Sortiment. Farben, Formen, Mustern und Größen sind auch hier keine Grenzen gesetzt. Hauptbestandteil ist zumeist Wolle, aber auch Sisal, Seegras und Jute kommen zum Einsatz. „Ich empfehle insbesondere Teppiche aus gewalktem Garn. Dabei wird die Wolle vor der Verarbeitung im Wasserbad erhitzt. Sie flust später weniger und ist generell fester.“ Daneben ist es kein Geheimnis das Schurwolle feuchtigkeitsregulierend ist. „Und es gibt mittlerweile handgewebte Teppiche, die preislich nicht viel teurer sind als die maschinell erzeugte Ware.“

Wer es besonders exquisit und hochwertig liebt, wird bei den handgeknüpften Teppichen im hinteren Bereich der Abteilung fündig. Zu dieser Kategorie zählen natürlich die klassischen Perser- und Orientteppiche oder auch Nepal-Teppiche. Sie bestehen aus Wolle, Seide oder aus einer Mischung der beiden Garne und werden in Indien, Nepal oder im Iran angefertigt. Besonders ausgefallene Exemplare benötigen eine Herstellungsdauer von sechs bis neun Monaten. „Die Nachfrage nach typischen Orientteppichen hat sehr nachgelassen. Der Trend geht auch bei den handgeknüpften Exemplaren eindeutig zu Modernität und Design“, sagt Weidler.

 

Ein Teppich schafft eine ganz besondere Atmosphäre in Räumen, verändert die Akustik und sorgt als Staubbinder für ein gesundes Klima. Er kann die Stimmung in den eigenen vier Wänden nachhaltig beeinflussen. Andreas Weidler

Fell-Teppiche groß im Kommen

Allerdings sieht er seinen modischen Favoriten ganz woanders: „Felle sind ganz groß im Kommen. Sie sind glatt, sehr flexibel und passen nahezu in jedes Zimmer.“ Darüber hinaus zeichnen sie sich durch sehr individuelle Formen aus. Bei Zurbrüggen gibt es sie vornehmlich in den Varianten Rind und Lamm.

„Daneben stehen handgetuftete Ware hoch im Kurs. Hierbei wird der Faden mit einer Garnpistole von hinten in das Gewebe eingearbeitet. Bei diesem Verfahren entstehen einzigartige Kombinationen von Mustern, Farben und Techniken. Solche Teppiche sind meistens Unikate.“

Zurbrüggen bietet natürlich noch viele weitere Stile an, zum Beispiel Vintage-, Patchwork- oder Outdoor-Teppiche. Letztere sind extrem strapazierfähig, fleckenabweisend, UV-beständig und schnell trocknend. Sie eignen sich insbesondere für den Garten oder Balkon.

„Ich wünsche mir, dass der Kunde beim Besuch unserer Abteilung Ideen bekommt. Ein Teppich schafft eine ganz besondere Atmosphäre in Räumen, verändert die Akustik und sorgt als Staubbinder für ein gesundes Klima. Er kann die Stimmung in den eigenen vier Wänden nachhaltig beeinflussen. Warum also nicht zu bestimmten Anlässen die Teppiche wechseln? Schließlich machen wir das zu Weihnachten oder Ostern mit vielen anderen Dekorationsartikeln wie Kissen, Vasen, Kerzen, Bilder oder Decken auch“, regt Weidler an und fügt lachend hinzu. „Allerdings sehe ich ein, dass der eine oder andere möglicherweise ein kleines Platzproblem bekommen könnte.“

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